Harry Hensler
Ideenwanderer. Architekt für neue Verbindungen.
Ich bin Harry Hensler – Sprecher für Demografie, Demokratie und gesellschaftliche Entwicklung sowie Projektkoordinator „Altersfreundliche Stadt Leipzig“ und verantwortlich für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Projekts.
Im Mittelpunkt meines Engagements steht eine Frage, die mich seit vielen Jahren begleitet:
Wie wollen wir in einer Gesellschaft leben, die älter, vielfältiger und zugleich immer stärker auf Zusammenhalt angewiesen ist?
Ich bin überzeugt: Der demografische Wandel gehört zu den zentralen gesellschaftlichen Veränderungen unserer Zeit.
Er betrifft nicht nur die Frage, wie wir älter werden. Er verändert unsere Arbeitswelt, unsere Städte und Gemeinden, unser Zusammenleben, unsere sozialen Strukturen und unsere Demokratie.
Ich sehe darin nicht nur eine Herausforderung, sondern vor allem eine historische Chance.
Der demografische Wandel gibt uns die Möglichkeit, unsere Gesellschaft neu zu denken – generationengerecht, demokratisch, nachhaltig und gemeinsam.
Nach dem Krieg geboren. Von seinen Folgen geprägt.
Ich wurde elf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geboren.
Der Krieg selbst gehört deshalb nicht zu meinen eigenen Erinnerungen. Seine Folgen aber gehören zu meiner Kindheit und Jugend.
Meine Generation wuchs in einer Gesellschaft auf, in der die nationalsozialistische Vergangenheit, der Völkermord und die millionenfache Vernichtung menschlichen Lebens geschichtliche Realität waren, deren persönliche und gesellschaftliche Aufarbeitung jedoch vielerorts unvollständig blieb.
Es gab Schweigen. Es gab Verdrängung. Und es gab unterschiedliche Erfahrungen und Erzählungen darüber, was geschehen war und welche Konsequenzen daraus für die neue Gesellschaft gezogen werden mussten.
Die daraus entstandenen gesellschaftlichen Spannungen und Spaltungen gehören zu den prägenden Erinnerungen meiner Jugend.
Diese Erfahrungen haben mir früh gezeigt, wie wichtig eine demokratische Gesellschaft ist, die sich ihrer Geschichte stellt, Verantwortung übernimmt, unterschiedliche Erfahrungen zulässt und gesellschaftliche Spaltungen nicht einfach hinnimmt.
Für mich ist Demokratie deshalb mehr als eine Staats- oder Regierungsform.
Demokratie ist gesellschaftliche Verantwortung.
Sie lebt davon, dass Menschen miteinander sprechen, einander zuhören, widersprechen können und trotzdem bereit bleiben, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Erfahrungen verbinden. Zukunft gestalten.
Ich gehöre zu einer Generation, die tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen erlebt hat.
Die gesellschaftlichen Aufbrüche rund um die 68er-Bewegung, die Friedensbewegung, die Anti-Atomkraft-Bewegung und schließlich die friedliche Revolution von 1989 haben mein Denken geprägt.
Unterschiedliche Zeiten, unterschiedliche Bewegungen und unterschiedliche politische Erfahrungen – aber eine Erkenntnis verbindet sie für mich:
Gesellschaftlicher Wandel beginnt dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen.
Diese Überzeugung bestimmt mein Engagement bis heute.
Mich interessiert dabei nicht das Bewahren bestehender Strukturen um ihrer selbst willen.
Mich interessiert, was wir aus unseren Erfahrungen für die Zukunft machen.
Nicht verwalten. Gestalten.
Ich möchte Menschen, Ideen und Institutionen miteinander verbinden.
Mit CLEANUP Leipzig, dem Projekt „Altersfreundliche Stadt Leipzig“ und der politischen Weiterentwicklung hin zu einem „Altersgerechten Sachsen“ arbeite ich an unterschiedlichen Themen, die für mich dennoch einen gemeinsamen Kern besitzen:
Menschen sollen ihre Stadt und ihre Gesellschaft nicht nur als Zuschauer erleben. Sie sollen sie mitgestalten können.
Dabei geht es um Beteiligung, Verantwortung, Begegnung und um die Frage, wie aus einzelnen Initiativen dauerhafte gesellschaftliche Veränderungen entstehen können.
Von der „Altersfreundlichen Stadt Leipzig“ zum „Altersgerechten Sachsen“
Mit dem Projekt „Altersfreundliche Stadt Leipzig“ wurde 2025 eine wichtige kommunalpolitische Grundlage geschaffen.
Das Konzept einer altersfreundlichen Stadt darf für mich nicht als Politik ausschließlich für ältere Menschen verstanden werden.
Eine Stadt, die für ältere Menschen zugänglich, sicher, sozial und lebenswert ist, verbessert zugleich die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen, Familien, Menschen im Erwerbsleben und Menschen mit Behinderungen.
Daraus entsteht eine größere politische Perspektive:
Altersgerechtes Sachsen
Was wir auf kommunaler Ebene entwickeln, müssen wir zunehmend auch auf Landesebene denken.
Denn der demografische Wandel wird vor Ort sichtbar: in Städten, Gemeinden, Dörfern und Nachbarschaften.
- Wie sichern wir Mobilität auch im ländlichen Raum?
- Wie verändern sich Wohnen und Gesundheitsversorgung?
- Wie ermöglichen wir gesellschaftliche Teilhabe?
- Wie erhalten und nutzen wir Wissen und Erfahrung?
- Wie stärken wir Ehrenamt und demokratisches Engagement?
- Wie gestalten wir Städte und Gemeinden, in denen Menschen verschiedener Generationen gerne leben und Verantwortung füreinander übernehmen?
Altersgerechtes Sachsen bedeutet deshalb für mich: generationengerechtes Sachsen.
Es geht nicht um die Zukunft einer Altersgruppe. Es geht um die Zukunft unserer Gesellschaft.
Den demografischen Wandel als Chance begreifen
Der demografische Wandel eröffnet Möglichkeiten, die wir bisher viel zu wenig nutzen.
Er kann neue Formen der Bürgerbeteiligung und Mitbestimmung ermöglichen, generationenübergreifende Zusammenarbeit fördern und dafür sorgen, dass Wissen und Lebenserfahrung nicht verloren gehen.
Er fordert uns gleichzeitig heraus, neue Antworten für Wohnen, Mobilität, Gesundheit und Pflege, Bildung, Digitalisierung, Fachkräftesicherung und kommunale Infrastruktur zu entwickeln.
Vor allem aber stellt er eine demokratische Frage:
Wie organisieren wir gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer Gesellschaft, deren Altersstruktur und Lebensformen sich grundlegend verändern?
Darauf werden Politik und Verwaltung allein keine ausreichenden Antworten finden.
Wir brauchen Kommunen und Regionen, Wissenschaft und Wirtschaft, Vereine und Initiativen – und vor allem eine starke und engagierte Bürgergesellschaft.
Eine altersfreundliche Stadt ist eine demokratische Stadt
Das Konzept der „Altersfreundlichen Stadt“ verstehe ich deshalb ausdrücklich auch als Demokratieprojekt.
Lebensqualität und Beteiligung gehören zusammen.
Dazu gehören lebenswerte öffentliche Räume, Mobilität und Barrierefreiheit, gutes Wohnen, Respekt und soziale Inklusion, bürgerschaftliches Engagement, gesellschaftliche Teilhabe, verständliche Kommunikation und Information sowie verlässliche Unterstützungs- und Gesundheitsangebote.
Hinter diesen einzelnen Themen steht für mich immer eine grundsätzlichere Frage:
Wie wollen wir künftig miteinander leben?
Eine altersfreundliche Stadt schafft Räume, in denen Menschen unabhängig von ihrem Lebensalter am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und ihre Erfahrungen, Fähigkeiten und Ideen einbringen können.
Deshalb ist Altersfreundlichkeit für mich nicht nur eine Frage guter Stadtentwicklung.
Sie ist eine Frage demokratischer Teilhabe.
Architekt für neue Verbindungen
Ich verstehe mich als Architekt für neue Verbindungen.
Ich verbinde Generationen.
Ich verbinde Bürgergesellschaft und Politik.
Ich verbinde Erfahrung mit Innovation.
Ich verbinde Ehrenamt, Wissenschaft, Kommunen und gesellschaftliche Initiativen.
Denn die großen Zukunftsfragen lassen sich nur gemeinsam lösen.
Warum nenne ich mich Ideenwanderer?
Eigentlich müsste die Frage anders lauten: Warum werde ich Ideenwanderer genannt?
Denn diesen Namen habe ich mir nicht selbst gegeben. „Schuld“ daran ist die Aktionskünstlerin Inka Frings. Sie nannte mich eines Tages „Ideenwanderer“ – und dieser Name ist geblieben.
Vielleicht auch deshalb, weil er ziemlich genau beschreibt, wie ich seit vielen Jahren denke und arbeite. Ich wandere mit Ideen zwischen Menschen, Projekten und gesellschaftlichen Bereichen. Ich nehme Gedanken auf, bringe unterschiedliche Erfahrungen zusammen und versuche, daraus neue Verbindungen entstehen zu lassen. Ideen sollten für mich nicht an einem Schreibtisch, innerhalb einer Organisation oder in einer politischen Struktur bleiben.
Ideen müssen wandern.
- Von Mensch zu Mensch.
- Von einer Initiative in eine andere.
- Von einem Stadtteil in eine Kommune.
- Von Leipzig nach Sachsen.
Und manchmal aus einer kleinen lokalen Erfahrung hinein in eine große politische Debatte.
So ist aus einem Namen, den mir Inka Frings gegeben hat, mit der Zeit auch eine Beschreibung meines eigenen Wirkens geworden:
Ideenwanderer. Architekt für neue Verbindungen.
Ich glaube an eine Gesellschaft, in der Erfahrung und Innovation keine Gegensätze sind.
Ich glaube an eine Demokratie, die Beteiligung nicht nur verspricht, sondern ermöglicht.
Ich glaube daran, dass wir aus unserer Geschichte Verantwortung für Gegenwart und Zukunft ableiten müssen.
Ich glaube daran, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt immer wieder neu geschaffen werden muss.
Und ich glaube daran, dass der demografische Wandel uns die Chance gibt, unsere Städte, Gemeinden und unser gesellschaftliches Zusammenleben neu zu gestalten.
Nicht für einzelne Generationen, sondern miteinander.
Demografie gestalten.
Demokratie stärken.
Generationen verbinden.
Zukunft gemeinsam entwickeln.
Willkommen beim Ideenwanderer.

